Noch heute kannst du in Berlin Grenzerfahrungen machen und Spuren der Berliner Mauer und Orte der Teilung der Stadt entdecken. Geschichte wird be-greifbar im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dieser Liste lade ich dich zu 15 Grenzerfahrungen in Berlin ein, um die Erinnerung an die Teilung der Stadt wachzuhalten. Wir dürfen nicht vergessen.

Meine 15 Orte der Grenzerfahrungen sind über die ganze Stadt verteilt, deshalb notiere ich den jeweiligen Bezirk gleich mit dazu. Viele Grenzerfahrungen führen dich an den Rand der Stadt ins Grüne an den heutigen Mauerweg. Die Anreise lohnt sich immer, denn du kannst Geschichte mit dem Genuss von Natur verbinden.

Grenzerfahrung 1: Osman Kalins Garten in Kreuzberg

Dieser Garten ist ein Grenzfall: im wahrsten Sinne des Wortes. Früher gehörte Osman Kalins Garten in Kreuzberg offiziell zur DDR, war aber auf der anderen, auf der westlichen Seite der Mauer. So wuchs das Idyll ungestört und Osman Kalin errichte in seinem Garten sogar ein kleines Häuschen. Einmal sollen Grenzpolizisten vorbeigekommen sein, um das Baumhaus und den Garten zu inspizieren – sie ließen Osman Kalin aber gewähren. Nach dem Fall der Mauer musste Osman Kalin natürlich nochmal zittern, doch sein Baumhaus und der Garten durften bleiben. Heute führt sein Sohn den Garten weiter und setzt ihn liebevoll instand.

Die Mauer folgte hier dem früheren Luisenstädtischen Kanal, dem heutigen Bethaniendamm. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmerschutt gefüllt, später verlief die Mauer über das Gelände. Heute ist die Mauer einer sehenswerten Parkanlage gewichen, das Engelbecken konnte 1999/2000 freigelegt und mit Wasser befüllt werden.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die Adresse des Ortes.

Grenzerfahrung 2: Der Bahnhof Friedrichstraße in Mitte

Der Bahnhof Friedrichstraße glich zu Zeiten der Mauer einem Hochsicherheitstrakt mit einem komplizierten Tunnelsystem zwischen Ost und West. Die heutigen S-Bahn-Gleise führten die Züge gen Osten, die anderen Gleise gen Westen – zwischen beiden Teilen eine unüberwindbare Mauer. Durch das Tunnelsystem gelangten die Fahrgäste von der einen Seite auf die andere Seite, natürlich nur mit Passierschein. Eine Ausreise gen Westen war sowieso die Ausnahme. Die Geschichte des geteilten Berlins und wie hier am Bahnhof Friedrichstraße der Grenzverkehr funktionierte, erzählt die Ausstellung „Grenzerfahrungen“ im Tränenpalast gleich nebenan.

Der Tränenpalast war die Abfertigungshalle, der Kontrollpunkt für alle Ein- und Ausreisen von Berlin West nach Berlin Ost. West-Bürger durften für einen Tag in den Osten – um Mitternacht mussten sie zurück sein. Die Halle war Ort für schlimme Abschiede, langersehnte Wiedersehen, deshalb auch der Name: Tränenpalast.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die Adresse des Ortes.

Grenzerfahrung 3: „Stalinrasen“ im Tegeler Fließ

Heute eine herrliche Wanderung ins Grüne, die ich dir als Spaziergang in meinem Blog beschrieben habe. Die Tour führt dich durch das Tegeler Fließ zur Gedenkstätte der ehemaligen Grenzsperre Hermsdorf, ein auf den ersten Blick unscheinbarer Ort am Rande des Wohngebiets in Hermsdorf im Norden Berlins. Hier im Tegeler Fließ versuchten Menschen aus der DDR in den Westen zu fliehen, indem sie durch das Fließ wateten oder schwammen. Um dies zu verhindern, brachte die DDR Grenzsperren in Form von Dornenmatten mit Stacheldraht an, die sie unscheinbar im Wasser versteckten. Schwerste Verletzungen an den Spitzen rostigen Gitter waren die Folge. Umgangssprachlich nannte man diese Dornenmatten deshalb auch „Stalinmatten“ oder „Stalinrasen“. Die Gedenkstätte zeigt Dornenmatten, die man hier durch Bauarbeiten erst mehr als 10 Jahre nach dem Fall der Mauer im Tegeler Fließ gefunden hat.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die Adresse des Ortes.

Grenzerfahrung 4: Die Gedenkstätte Günther Litfin in Mitte

Einer der noch erhaltenen Grenztürme der Berliner Mauer und heute eine Gedenkstätte: Sie erinnert an Günter Litfin, das erste Maueropfer. Er wurde erschossen beim Versuch, den Kanal zwischen Spree und Nordhafen zu überwinden, um so in die Freiheit zu schwimmen. Sein Bruder hat diese Gedenkstätte eingerichtet, um zu mahnen und an seinen getöteten Bruder zu erinnern – durch die Berliner Abendschau im Fernsehen erfuhr er damals vom Tod seines Bruders. Mittlerweile ist er verstorben, seine Arbeit der Erinnerung an das erste Maueropfer geht aber weiter. Der Turm ist am Wochenende für Besucher geöffnet und du kannst die steile Treppe ganz nach oben steigen.

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Grenzerfahrung 5: Die Boesebrücke zwischen Wedding und Prenzlauer Berg

Hier an der Boesebrücke wurde Geschichte geschrieben, denn hier öffnete sich am 9. November 1989 der erste Schlagbaum der DDR am Grenzübergang Bornholmer Straße. Eine kleine Bilder-Ausstellung erinnert open air an die emotionalen Stunden von damals. Am Fuße der Brücke war bis zum Fall der Mauer der alte Grenzübergang der DDR, auf dem Parkplatz durften nur Autos aus dem Westen parken, die vor dem Grenzübertritt kontrolliert wurden. Auf dem Parkplatz befindet sich heute ein Supermarkt und das markante Dach mit seinen grellen Leuchten des Grenzübergangs soll sogar bei eBay versteigert worden sein. Teile davon werden heute im Prenzlauer Berg in einem Hinterhof in der Marienburger Straße 16 als Carport genutzt.

Die Boesebrücke führt über die S-Bahngleise, die hier strikt nach „Ost-Verkehr“ und „West-Verkehr“ getrennt waren: Im Osten Teile der heutigen Ringbahn, im Westen die S-Bahn Richtung Nordbahnhof, damals ein so genannter Geisterbahnhof, denn im Nordbahnhof durften die Züge nicht halten, der Bahnhof lag im Osten, die Züge fuhren aber nach Westen. Eine kleine Bilderausstellung im Nordbahnhof zeigt, wie es in den Geisterbahnhöfen aufgesehen hat.

Von der Boesebrücke aus lohnt ein Abstecher in den grünen Mauerpark, dem früheren Todesstreifen entlang der Berliner Mauer zwischen Prenzlauer Berg (Ost) und Wedding (West). Heute heißt es hier im Mauerpark grillen und chillen im Herzen Berlins.

Grenzerfahrung 6: Die Gedenkstätte Berliner Mauer im Wedding

Die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße gehört zu den Pflichtterminen in Berlin: Sie zeigt, wie die Grenzanlagen ausgesehen haben und erinnert auf vielfältige und eindrückliche Weise an die Opfer, die die Mauer zwischen Ost und West gefordert hat – hier spürst du am ehesten, wie die unmenschliche Grenze ausgesehen hat. Die Bernauer Straße hat traurige Berühmtheit erlangt, als die Menschen aus den Fenstern sprangen, um kurz nach der Abriegelung des Ost-Sektors aus ihren Wohnungen in den Westen zu fliehen.

Entlang des alten Kolonnenwegs, den die DDR-Grenzer patrouillierten, erlebst du heute Geschichten von Flucht und Leben an der Bernauer Straße. Die Fluchttunnel unter der Bernauer Straße sind markiert, alte Fundamente zeigen die Keller der Gebäude auf der ehemaligen Ostseite und die Kapelle der Versöhnung lässt dich spüren, wie beide Teile der Stadt wieder zusammenwachsen.

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Grenzerfahrung 7: Das Parlament der Bäume im Regierungsviertel in Mitte

Das „Parlament der Bäume“ hat einen eigenwilligen Charme. Der mittlerweile verstorbene Künstler Ben Wagin hat es errichtet, er sah sich als Baumversteher, Aktionskünstler und engagierte sich für die Umwelt. Ben Wagin, der eigentlich Bernhard Wargin hieß, starb am 29. Juli 2021 im Alter von 91 Jahren. Als er feststellte, dass sein Name das Wort „War“ – also Krieg – enthielt, ließ er das „r“ in seinem Namen kurzerhand weg und nannte sich fortan nur noch Ben Wagin. Seine Vision: den Todesstreifen an der Spree begrünen und mit Bäumen bepflanzen. Das Parlament der Bäume ist bleibendes Symbol für die Teilung des Kontinents, für die Teilung Deutschlands und letztlich für die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Sein Parlament der Bäume liegt direkt im Regierungsviertel an der Spree unmittelbar neben der Bundespressekonferenz.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die genaue Adresse des Ortes.

Grenzerfahrung 8: Der Wachtürme in Mitte und Kreuzberg

Der kleine unscheinbar Wachturm in der Erna-Berger-Straße ist einer der beiden Wachtürme im Stadtgebiet Berlins. Damals blickt man von dort auf den Potsdamer Platz, heute steht er etwas abseits in einer Nebenstraße. Er musste der damaligen Großbaustelle Potsdamer Platz weichen und wurde einige hundert Meter versetzt. Die Straße ist eine winzige Sackgasse, an ihrem Ende steht der Turm.

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Ein weiterer – etwas größerer – ehemaliger Grenzturm der Berliner Mauer befindet sich zwischen Kreuzberg und Treptow am Flutgraben. Er ist erhalten, kann aber nicht öffentlich besucht werden.

Grenzerfahrung 9: Der alte Grenzübergang Dreilinden

Lange Jahre war er ein Lost Place, mittlerweile ist wieder Leben eingekehrt in den ganz alten Grenzübergang Dreilinden – nicht gemeint ist der spätere Grenzübergang an der heutigen Autobahn. Mitten im Wald, Nahe des Teltow-Kanals, erkennst du noch den Verlauf der alten AVUS, der alten Stadtautobahn und Rennstrecke im Westen Berlins. Noch erkennbar sind auf dem Asphalt die Markierungen „PKW“ und „BUS LKW“. Es bietet sich eine Tour ins Grüne an, du kannst die frühere Autobahn ausgehend vom Grenzübergang noch ablaufen.

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Grenzerfahrung 10: Die East Side Gallery in Friedrichshain

Das längste noch erhaltene Stück Mauer: DieEast Side Gallery in der Mühlenstraße in Friedrichshain. Künstler haben die Mauer mit ganz unterschiedlichen Bildern verziert. Sehenswert. Zu DDR-Zeiten sind an diesem Mauerstück hohe Staatsgäste in ihren Limousinen vorbeigefahren, wenn sie vom Flughafen Schönefeld zum Staatsbesuch in Berlins Mitte reisten. Deshalb gab sich die Ost-Berliner Regierung mit diesem Mauerstreifen zu DDR-Zeiten auch besondere Mühe und baute ein Stück Mauer so, wie sie sonst nur Richtung Westen verbaut wurde – vom Osten aus bekamen die Menschen die Mauer so sonst nie zu sehen.

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Grenzerfahrung 11: Die Glienicker Brücke nach Potsdam

Die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin hat Geschichte geschrieben: Vor und während des Kalten Kriegs, spielfilmreif. Sie war die Grenze zwischen West-Berlin und Brandenburg in der DDR. Genau hier auf dieser Brücke, tauschten die USA und die Sowjetunion während des Kalten Krieges ihre gefangenen Agenten aus, darunter der berühmte Tausch des US‑Piloten Francis Gary Powers gegen den sowjetischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel im Jahr 1962. Wenn du heute über die Brücke läufst, siehst du noch die Markierung, die die Grenze zwischen Ost und West zeigte. Die Glienicker Brücke ist nicht nur ein schönes Fotomotiv, sondern ein Ort, an dem du die Spannung des Kalten Krieges erfahren kannst, ein Stück Weltgeschichte, das du heute einfach überqueren kannst.

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Grenzerfahrung 12: Der Naturschutzturm in Frohnau

„Guten Tag, ich möchte gern einen Grenzturm kaufen.“ – So muss das damals gewesen sein, als sich die Initiative für den Naturschutzturm am Berliner Nordrand gegründet hat. Heute ist aus dem ehemaligen Grenzsicherungsturm ein einmaliges Natur- und Biologieerlebnis geworden. Es wächst zusammen, was zusammengehört – dieses geflügelte Wort trifft auf den ehemaligen Grenzturm hier im früheren Todesstreifen in jedem Fall zu. Mittlerweile hat sich die Natur den Streifen zurückerobert, der Wald drumherum ist dicht und nur noch eine kleine Ausstellung erinnert hier an die schlimme Vergangenheit und ihre Todesopfer, die es auch hier in der Nähe vom Turm gab.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die genaue Adresse des Ortes.

Ich empfehle dir den Besuch des Naturschutzturms mit einer Wanderung entlang des Mauerwegs zu verbinden, hier geht es zu meiner Tour-Beschreibung der Wanderung.

Grenzerfahrung 13: Geteilte Friedhöfe zwischen Mitte und Wedding

Die Mauer zwischen Ost und West teilte nicht nur die ganze Stadt, viele Plätze und Straßenzüge, sondern auch Friedhöfe – zum Beispiel den alten Domfriedhof der St. Hedwigs-Gemeinde. Noch heute ist dieser Friedhof gezeichnet von den Zeiten der Teilung der Stadt – die Berliner Mauer durchschnitt den Friedhof gnadenlos. Dadurch ist Richtung Liesenstraße eine Freifläche entstanden, auf der früher der Todesstreifen war. Es finden sich noch Reste der Hinterlandmauer, die hier den Friedhof durchschnitten hat, eingangs der Liesenstraße steht noch ein kleines Stück des vorderen Teils der Berliner Mauer. Die Straße bietet noch ein weiteres beeindruckendes Fotomotiv: rostroten Liesenbrücken, die seit der Teilung der Stadt nicht mehr in Betrieb sind.

Richtung Chausseestraße findet sich noch ein besonderes Straßenkunstwerk: Wenn du genau hinschaust, entdeckst du einige Kaninchen im Asphalt. Warum gerade Kaninchen mag man sich fragen? Ganz einfach, sie waren die einzigen, die zu Zeiten der Mauer frei und glücklich auf dem Todestreifen der Grenzanlagen unterwegs waren.

Auch der Französische Friedhof erzählt Geschichte, denn hier wurde Theodor Fontane beerdigt. Durch den Zweiten Weltkrieg ist von seinem Grab nicht viel übriggeblieben, zu Zeiten der Mauer trennte die Grenze den Friedhof: Wer das Grab von Theodor Fontane tatsächlich besuchen wollte, hätte zweimal die Mauer überklettern müssen.

Hier in meinem Blog kannst du in einer Tour von Wedding nach Mitte dem Mauerweg folgen und die Orte kennenlernen.

Grenzerfahrung 14: Die Mauer an der Topographie des Terrors

Die Topographie des Terrors zeigt eindrücklich, wie Deutschland im Nationalsozialismus war. Die Stiftung Topographie des Terrors arbeitet seit Ende der 80er Jahre die Ereignisse an diesem historischen Ort auf und präsentiert die Ergebnisse in einer sehr sehenswerten Ausstellungshalle. Zugleich ist dieser Ort unweigerlich auch ein Erinnerungsort an die Berliner Mauer – zur Straße hin findet sich eines der längsten erhaltenen Mauerstücke Berlins, die hier einst Mitte und Kreuzberg getrennt hat.

Hier in meinem Blog kannst du lesen, wo du diese Grenzerfahrung machen kannst und findest die genaue Adresse des Ortes.

Grenzerfahrung 15: Die Heilandskiche Sacrow

Zu Zeiten der Teilung verlief die Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam hier so nahe, dass die Kirche mitten im Sperrgebiet stand. Heilig Abend im Jahr 1961 – kurz nach dem Bau der Berliner Mauer – fand in der Heilandskirche nochmal Gottesdienst statt. Danach war die Kirche im Sperrgebiet 28 Jahre lang nur noch für die DDR-Grenzer zugänglich. Wenige Tage nach Heilig Abend wurde die Inneneinrichtung der Kirche nahezu zerstört und teilweise an andere Orte ausgelagert. Der Glockenturm wurde Wachturm. Lediglich das Apsisgemälde blieb erhalten.

Der Westen war nur wenige hundert Meter auf der anderen Uferseite der Havel entfernt, die Grenze verlief mitten durch den Fluss. Viele nutzen die Lage der Kirche für eine dramatische Flucht in den Westen. Nach dem Fall der Mauer wurde die Kirche wieder Ort des Gebetes, der historische Innenraum konnte rekonstruiert werden.

Hier in meinem Blog kannst du noch mehr über die Heilandskirche Sacrow lesen und du erfährst, wo genau du diese Grenzerfahrung machen kannst.