Wer Berlin besucht, wandelt – ob er es will oder nicht – unweigerlich auf historischen Spuren. Klar, viele denken an den Fall der Mauer und die Zeit der DDR mit der Teilung Berlins. Und natürlich an die Zeit des Nationalsozialismus von Verfolgung und Holocaust. Oder aber auch an die goldenen 20er Jahre, die aufkommende Industriekultur und an das alte Preußen. Einige dieser historischen Orte möchte ich hier zusammenfassen.

Wer sich genauer über die Berliner Mauer informieren möchte und auf Spurensuche gehen will, dem empfehle ich meine eigene Tour zur Berliner Mauer. Und wer jetzt auf eingestürzte Gebäude hofft, der sollte lieber meine Tour zu den Lost Places Berlins anschauen.

Auch bei dieser Tour empfiehlt es sich, Zeit einzuplanen. Viele Orte bedürfen eines genaueren Blicks und es gibt viel zu erfahren. Sie sind Lernorte der Vergangenheit.

Berlin – die geteilte Stadt

Noch immer erblicken Kenner Unterschiede zwischen dem ehemaligen West-Berlin und dem damaligen Osten: Sei es, dass manche es an der Straßenlaternen ablesen, auch die Straßenbahn ist ein Indiz. Sie wurde im damaligen West-Berlin abgeschafft, so dass sie noch heute nahezu ausschließlich durch den Ostteil der Stadt fährt – mit wenigen Ausnahmen, denn einige Linien führen mittlerweile darüber hinaus.

Wer zum ersten Mal Berlin besucht, sollte sich auf jeden Fall mit den Folgen des DDR-Staates beschäftigen: mit Überwachung, Kontrolle und Eingriffen ins Privatleben. Es macht spürbar, wie kostbar unsere Freiheit heute ist. Ein Besuch der ehemaligen Zentrale der Staatssicherheit in der Normannenstraße oder ein Blick hinter die Mauern des ehemaligen Gefängnisses der Staatssicherheit in Hohenschönhausen sollten auf jeden Fall drin sein. Die Mauern des Stasi-Knastes bekam früher niemand zu sehen – das Gebiet war weiträumig abgeriegelt, drinnen wohnten nur Stasi-Mitarbeiter. Wer ins Gefängnis gebracht wurde, gelangte zum Beispiel mit einem fensterlosen Transporter dorthin, damit er sich nicht an den Weg erinnern konnte. Von außen waren viele Wagen als Fisch-Transporter getarnt – irritierend muss das für viele DDR-Bürger gewesen sein, warum ständig so viel Fisch transportiert wurde, obwohl er doch in den Läden eher knapp war 😉

Etwas skurriler sind die Spuren des Fahrzeugdepots der Parteiführung der DDR in Lichtenberg: Hohe Antennen, ein Haus des Wachschutzes und Stacheldraht deuten an, dass hier etwas wichtiges gewesen sein muss. Gemeinhin spricht man von der Fahrbereitschaft für die Staatsfunktionäre der DDR, so ganz trifft es das aber wahrscheinlich nicht. Das Gelände liegt übrigens direkt gegenüber dem Don Xuan Center, dem Asia-Einkaufszentrum.
Beeindruckende DDR-Architektur kannst du in der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain bestaunen: Ganz nach Stalins Vorbild putzte sich die DDR hier raus, um zu repräsentieren und mit Paraden zu präsentieren. Mittendrin das Frankfurter Tor. Ein kleines Café, das Café Sibylle, informiert über die Geschichte dieser Straße, ein Teilabschnitt dieser Straße hieß früher Stalinallee. Dir Prachtbauten für Wohnungen sind noch bis heute ein beeindruckendes Baudenkmal. Um die Ecke auf dem heutigen Platz der Vereinten Nationen stand zu DDR-Zeiten das Lenin-Denkmal – heute nicht mehr, Lenins Kopf des monumentalen, 1970 enthüllten Lenin-Denkmals liegt im Museum in der Zitadelle Spandau.

Im damaligen geteilten Berlin prallten nicht nur Besatzungszonen aufeinander, hier standen sich ganze Systeme in Ost und West gegenüber, ja ganze Ideologien. Kein Wunder, dass die West-Alliierten jede Chance nutzen, um vom Teufelsberg im Westen Berlins den Osten abzuhören – man munkelt, bis vor die Schreibtische in Moskau soll der Lauschangriff gereicht haben.
Zwei Ideologien, zwei Systeme, zwei Länder – deshalb in der Regel auch immer zwei Botschaften, eine im Westen, die andere im Osten Berlins. Noch heute zeugt die verlassene irakische Botschaft in Pankow davon, sie wurde Anfang der 90er Jahre überstürzt und Hals über Kopf verlassen – alles Inventar blieb dort.

Die Trennung der Welt mitten durch die Stadt Berlin hat auch ihre Spuren im Rundfunk hinterlassen: Sehenswert ist das Haus des Rundfunks im Westen Berlins: Das Haus wurde 1929/30 nach den Plänen von Hans Poelzig errichtet, in einer Zeit, als der Rundfunk noch in seinen Kinderjahren war. Bald übernommen und zu Propaganda-Zwecken missbraucht von den Nazis, dann viele Jahre von russischen Soldaten besetzt, obwohl das Gebäude in West-Berlin lag. Erst seit 1957 ist hier der Sender Freie Berlin zu Hause, der heute im RBB aufgegangen ist. Zuvor hatte die Regierung der DDR ein eigenes Funkhaus in der Nalepastraße gebaut – der Altbau mit den historischen Studios wird noch heute für Produktionen genutzt und eine Führung lohnt sich auf jeden Fall.

Berlin – die Hauptstadt des Deutschen Reiches

Viele Spuren des Nationalsozialismus zeigen sich bis heute in Berlin. Adolf Hitler hatte große Pläne mit seiner Reichshauptstadt – von „Welthauptstadt Germania“ soll er aber nie gesprochen haben. Sein Architekt Albert Speer sollte Berlin dennoch zur prachtvollen Hauptstadt und zur Demonstration seiner Macht ausbauen – gelungen ist dies, und in vielen Fällen muss man sagen: Gott sein Dank, allerdings nicht. Viele Touristen begeben sich auf Spurensuche nach der Reichskanzlei Hitlers – sie treffen hier heute aber nicht mehr an, als einen Parkplatz mit Informationstafel und ein China-Restaurant.

Viele der wahnsinnigen Pläne Hitlers hätten sich bautechnisch gar nicht realisieren lassen – die große Ruhmeshalle bzw. die Halle des Volkes zum Beispiel auch nicht. Sie war mit einer Grundfläche von 315 × 315 Metern geplant und sollte mit 320 Metern Höhe als das größte Kuppelgebäude der Welt werden. Da Berlin aber auf Sand gebaut ist, war überhaupt nicht klar, ob der Berliner Boden, ein solch schwere Konstruktion tragen würde. Speer behalf sich mit einem Test, indem er in Schöneberg mit dem Schwerbelastungskörper den Druck auf den Boden nacharmte und Messungen vornahm. Schnell war klar: Berlins Nazi-Prunkbauten würden im Erdboden versinken. Der ungewöhnliche Schwerbelastungskörper kann noch heute mit dem Verein Berliner Unterwelten e.V. besucht werden.

Auch die Ehrenhalle in der Hasenheide folgt dem Größenwahn Hitlers – heute wird die Halle als Totenhalle für den Friedhof genutzt – wie mit ihrer Geschichte umzugehen ist, scheint aber bis heute noch nicht wirklich klar zu sein. Stiller und bodenständiger wird es, wenn du das ehemalige SA-Gefängnis in Schöneberg besuchst – die Gedenkstätte dort zeigt, wie die Nationalsozialisten schon in frühen Jahren mit ihren politischen Feinden umgegangen sind. Das Geschichtsquartier Südkreuz, zu dem die Gedenkstätte und auch der Schwerbelastungskörper gehören, zeugt vom Einfluss der Nationalsozialisten auf das Berlin der damaligen Zeit.

Die Olympischen Spiele 1936 waren für Hitler eine Gelegenheit, seine Macht in die Welt zu tragen und seinen Größenwahn vorzuspielen – angeblich aber völlig weltoffen und den anderen Nationen zugewandt. Das Olympiastadion wurde zu einem Prachtbau nationalsozialistischer Architektur – ein Besuch des Stadions mit Führung ist sehr zu empfehlen. Und gerne auch ein Abstecher ins Olympische Dorf von 1936 – es liegt etwas westlich von Berlin und liefert einen spannenden Einblick in die damalige Zeit.

Auch der ehemaligen Flughafen Tempelhof geht auf diese Zeit zurück, er wurde aber nicht mehr rechtzeitig zu Kriegsbeginn fertig. Dennoch erzählt die Architektur des Gebäudes von der damaligen Zeit – und es schlägt eine Brücke in die Zeit der Teilung der Stadt, denn später landeten hier die so genannten Rosinenbomber, als Berlin 1948/49 für kurze Zeit aus der Luft versorgt werden musste.

Industrialisierung in Berlin

Schon vor der Zeit des Nationalsozialismus war Berlin eine der größten Hauptstädte Europas und blühte in den Goldenen Zwanziger Jahren regelrecht auf: Der Industrialisierung, der Forschung und der Moderne sei Dank. Die ehemalige Siemensbahn im Westen der Stadt ist ein stummer Zeuge dieser Zeit. Heute schlummern Schienen und Bahnhöfe ihren Dornröschenschlaf, die Strecke ist schon lange stillgelegt. Auch der Rundlokschuppen in Pankow.Heinersdorf zeugt von besseren Jahren, als Berlin noch Teil eines florierenden Eisenbahnsystems war. Empfehlen kann ich dir auch einen Besuch im Industriesalon Schöneweide – er zeigt die Industriegeschichte der Stadt und informiert in Führungen und Ausstellungen heute über die vergangenen glorreichen Jahrzehnte,

Wenn du übrigens ganz weit zurück in die preußische Kulturgeschichte Berlins willst, dann lohnt sich ein Besuch der Pfaueninsel. So unscheinbar diese Insel auch sein mag, so wechselvoll ist ihre Geschichte. Auch hier hatte Hitler seine Finger im Spiel und man darf froh sein, dass von seinen Spuren dort heute kaum noch etwas zu sehen ist. Am besten fährst du mit der historischen Buslinie 218 zur Fähre auf die Insel.

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