Diese Tour an verlassene Orte in und um Berlin ist gewissermaßen natürlich keine Tour: Du musst dir die Ziele aussuchen und gezielt ansteuern. Es ist spannend zu sehen, welche historischen Momente an diesen Orten schlummern und wie sich oftmals die Natur ein Gelände zurückerobert, wenn die Menschen ihre Häuser ver- und sie dem Schicksal überlassen haben. In diesem Artikel findest du nur eine Auswahl an verlassenen Orten – einen größeren Überblick liefert dir die Suche mit dem Stichwort „lost places“.

An dieser Stelle weise ich ausdrücklich darauf hin, dass das Betreten vieler dieser Orte nicht erlaubt und oftmals auch gefährlich sein kann. Vandalismus und Zerstörung haben an den Lost Places sowieso nichts verloren – die Faszination dieser Orte macht aus, dass Menschen sie vergessen und zurückgelassen haben. Jeder Eingriff in die Location ist tabu!

Ich möchte meine Tour mit den vier spannendsten – wie ich meine – verlassenen Orten in Berlin beginnen:
Sie steht mittlerweile in jedem Reiseführer, sie übt aber immer noch auf eine besondere Weise Faszination aus: die ehemalige irakische Botschaft in Niederschönhausen im Nord-Osten der Stadt. Während des Irak-Krieges 1991 mussten alle Diplomaten das Gebäude verlassen. Akten, Ordner und Möbel blieben zurück – seitdem rottet das Gebäude vor sich hin, der Garten ist verwildert.
Mindestens genauso eindrucksvoll ist das verlassene Kinderkrankenhaus in Weißensee: Ehemals eine preußische Vorzeige-Klinik, steht sie heute seit 1997 leer und gammelt vor sich hin, Zäune, Scheiben und Wände sind eingerissen und beschmiert.
Der Vollständigkeit sei hier auch das Institut für Anatomie der FU Berlin erwähnt, hier wird schon lange nicht mehr seziert.

Der Spreepark Plänterwald mit seinem weithin sichtbaren Riesenrad nimmt gerade wieder Fahrt auf: Der Rummelplatz wurde einst am 4. Oktober 1969 zum 20. Geburtstag der DDR eröffnet, nach der Wende kam das Aus und der Spreepark verrottete. Ab 2021 ist eine stückweise Wiedereröffnung des Parks als Park im eigentlichen Sinne geplant – aktuell kannst du bei geführten Spaziergängen das Gelände erkunden.
Der Teufelsberg Berlin steht mittlerweile sogar unter Denkmalschutz: Die alte amerikanische Radarstation ist weithin sichtbar im Westen Berlins. Seit 1999 hat sie ihre eigentliche Rolle verloren und stand leer. Die fünf großen Radarkuppeln haben das nicht lange überlebt und wehen nun teils zerfetzt im Wind. Seit 2018 nutzt ein neuer Pächter das Gelände als Kunstraum und Galerie. Sein Team bietet auch Führungen über das Gelände an.

Der Vollständigkeit halber sei hier auch die Brandruine des ehemaligen West-Berliner Freizeitbads „Blub“ erwähnt – hier ist das Herumstöbern lebensgefährlich. Nachdem es mehrere Male in der Ruine gebrannt hat, herrscht Einsturzgefahr. Zu Straftaten kam es auch schon. Kein „Lost Place“ mehr, denn dafür ist hier in den vergangenen Jahren viel zu viel los gewesen.

Der Charme verlassener Bahnhöfe

Die Teilung Berlins und die sich ständig verändernde Rolle der Eisenbahn hat auch bei Bahnhöfen und Bahntrassen Spuren hinterlassen: Nach dem Krieg hatte der Anhalter Bahnhof an Bedeutung verloren – er war teilweise zerstört und wurde später abgerissen. Ein kleiner Teil der Bahnhofshalle erinnert noch an den Bahnhof und wenn du genau schaust, wirst du hinter den Mauern auch noch alte zugewachsene Gleise entdecken. Sie führten früher zum Gleisdreieck, hier ist aus der großen Bahnbrache mittlerweile der sehenswerte Park am Gleisdreieck geworden. Noch etwas weiter schließt sich heute der Naturpark Südgelände an, wie in einer Märchenwelt sind hier Gleise, Bäume und seltene Pflanzenarten über die Jahre ineinander verwachsen.

Aber ich habe dir verlassene Bahnhöfe versprochen: Dann mach doch mal einen Abstecher in die Siemensstadt – der alte S-Bahnhof der Siemensbahnhat hier schon lange keinen Zug mehr gesehen. Alles wächst zu und er erinnert an einen Geisterbahnhof. Es könnte sein, dass die Strecke aber demnächst wiederbelebt wird. Auch der alte Rundlokschuppen Heinersdorf könnte bald aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden – die Stadt Berlin hat große Pläne für das gesamte Gelände und will Wohnungen bauen.

Auch für Autos hat sich in der Geschichte Berlins viel verändert: Ich kann dir auf jeden Fall einen Abstecher zum alten Grenzübergang Dreilinden empfehlen (den ganze ganz alten) – die Autobahntrasse dorthin ist mittlerweile zurückgebaut und zur grünen Wiese geworden, ein toller Spaziergang!

Viele verlassene Orte finden sich übrigens auch im Untergrund Berlins – wenn du hier mehr erkunden möchtest, empfehle ich den Verein Berliner Unterwelten e.V. mit seinen unzähligen Führungen. Spannend ist zum Beispiel ein Besuch des Schwerbelastungskörpers im Geschichtsquartier am Südkreuz.

Ganz tief in die Geschichte eintauchen kannst du bei einem Besuch des Olympischen Dorfs etwas außerhalb westlich von Berlin in Elstal. Hier lebten die Sportler während der Olympiade 1936. Es gibt Führungen über das Gelände, viele alte Häuser sind noch zu bestaunen.

Imposant ist übrigens in diesem Zusammenhang auch die alte Ruderregatta-Strecke auf der Dahme im Südosten Berlins. Sie grenzt an ein historisches Gelände, das sich gerade im Abriss und Umbau befindet. Mit bald so gut wie verlorenen Orten wie dem Ballhaus Grünau. Auch das Funkhaus Grünau ist ein interessanter Ort, sendete doch von hier eine Zeit lang der Soldatensender 935.

Und vielleicht kein richtiger verlassener Ort mehr, aber er hat dennoch den Reiz des Vergangenen: Das alte Sendezentrum des DDR Fernsehens und Radios – das Funkhaus Nalepastraße. Es wird heute noch für Produktionen und Veranstaltungen genutzt.

Wenn du mal außerhalb Berlins in Beelitz unterwegs sein solltest, dann lohnt gewiss auch ein Besuch von Beelitz Heilstätten. Sie finden sich in nahezu jedem Reiseführer und dienten sogar schon als Kulisse für Kinofilme. Da sich mein Blog auf Berlin beschränkt, findest du hier aber bislang keinen Eintrag dazu. Auch hier sind Führungen möglich.