Diese Naschtour durch die City-West verlangt dir einiges ab: Wenn du wirklich jede Location checkst, wirst du am Ende einige Kalorien zu dir genommen und dem Hüftgold Gutes getan haben. Ganz nebenbei lernen wir natürlich die Highlights der City-West kennen, die deutlich mehr zu bieten hat als den Kurfürstendamm oder die Gedächtniskirche. Dennoch will ich diese Orte natürlich nicht unerwähnt lassen, aber wir „erledigen“ sie vorab. Solltest du diese touristischen Locations also schon lange kennen, steig einfach am Stuttgarter Platz in die Tour ein.

Wir benötigen dann für die Strecke vom Stuttgarter Platz bis zum Savignyplatz ca. 2 Stunden – wenn du natürlich die vielen Makrönchen, Törtchen und Kuchen, die ich dir so präsentiere, probieren möchtest, solltest du mehr Zeit einplanen 😉

Wir treffen uns also erstmal am Bahnhof Zoo, der Ende der 1970er Jahre durch das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ nicht gerade zu Ruhm kam, denn die Geschichte um die drogensüchtige Jugendliche Christiane F. schockierte Land auf Land ab. Damals in der geteilten Stadt war der Bahnhof Zoologischer Garten der zentrale IC/ICE-Bahnhof West-Berlins – mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs fiel der Bahnhof Zoo in die Unbedeutendheit, denn die Fernzüge hielten dann woanders.

Rund um den Bahnhof Zoo kann ich dir einige Highlights empfehlen, die du dir angesehen haben musst: Natürlich gehört die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche dazu, die Ruine des Glockenturms nennen die Berliner auch gerne den „hohlen Zahn“. Gleich gegenüber lohnt ein Besuch des Bikini Berlin, ein Einkaufszentrum aus den 50er Jahren, das gerade erst frisch und neu herausgeputzt wurde und der City West damit einen modernen Anstrich gibt. Die Monkey Bar im Hotel nebenan ist eine der wörtlichen Höhepunkte Berlins, du kannst einen tollen Blick aus dem 25. Stock auf die Stadt und auf den Zoo genießen – das Affengehege, auf das du schaust, hat der Monkey-Bar ihren Namen gegeben. Und natürlich ist der Zoologische Garten mit seinem Aquarium sowieso ein Besuch wert, der Zoo gibt gut 20.000 Tieren ein zu Hause.

Highlights rund um den Zoologischen Garten

Um den Zoologischen Garten herum gibt es noch mehr zu entdecken: Ich empfehle zum Beispiel das Amerika-Haus mit seinen wechselnden Ausstellungen oder auch das Europacenter mit seiner berühmten Wasseruhr, die auf sehr inspirierende Weise die Zeit anzeigt. Natürlich lohnt von hier aus auch ein Abstecher zum Wittenbergplatz mit dem KaDeWe, waschechte Touristen wollen im Hardrock-Café gewesen sein oder fahren mit der Bus-Linie 100 die Berliner Sehenswürdigkeiten ab. Ich würde an eurer Stelle im Schleusenkrug einkehren, und dort im Biergarten beobachten, wie die Ausflugsdampfer die Schleuse befahren und auf das Wasserniveau der Spree abgesenkt werden – hier touchierst du übrigens auch meine Tour durch den Tiergarten.

Einen Tipp zum Chillen in der sonst lauten City-West habe ich aber noch für dich: Hinter dem Kranzler-Eck empfängt dich plötzlich Vogelgezwitscher: Rund 80 Papageien und Sittiche wohnen hier in zwei stattlich großen Volieren, und schenken dir eine Eiszeit vom Autolärm. Dan geht’s aber los mit unserer Tour: Vom Bahnhof Zoo fährst du dann mit der S-Bahn zum Bahnhof Charlottenburg, dem Startpunkt unserer Tour.

Start des Kiez-Spaziergangs: S-Bahnhof Charlottenburg

Mit dem Stuttgarter Platz musste ich erst warm werden: Auf den ersten Blick konnte ich dieser Ecke Berlins nicht besonders viel abgewinnen – wenn du den Kiez aber zu Fuß erlebst und dich an alten Fassaden und prächtigen Wohnhäusern erfreuen kannst, dann schau mal genauer hin. Da ist zum Beispiel das Haus Stuttgarter Platz 20 – wochentags kannst du hier das prächtige Treppenhaus und den Innenhof besuchen. Viele Gedenktafeln erinnern hier an Persönlichkeiten früherer Zeit – Schauspieler, Musiker, Schriftsteller – so zum Beispiel auch der Lyriker Christian Morgenstern, der vor über 100 Jahren am Stuttgarter Platz Nummer 4 zu Hause war.

Ich hatte dir aber einiges zum Naschen versprochen: Ausgehend vom Stuttgarter Platz läufst du die Windscheidstraße Richtung Kantstraße – bald links in der Leonhardtstraße findest du die Bluebird Eistörtchen Manufaktur, bekommst ganz frische Makrönchen oder wenn du die Kantstraße überquert hast bald der Marzipan-Wald in der Pestalozzistraße. Für Freunde des Herzhaften und Liebhaber von Südtirol empfehle ich das Alto Adige gleich um die Ecke in der Windscheidstraße 22. Du kannst aber auch einfach im Dollinger (gegenüber dem Haus mit dem schönen Treppenhaus) einkehren und warten, bis die Naschkatzen zurück sind.

Vom Stuttgarter Platz aus biegen wir nun aber in die Lewisstraße ein und unterqueren die Bahngleise des S-Bahnhofs Charlottenburg. Vor der Unterführung auf der rechten Seite noch ein Tipp für die Freunde Russlands: Das Rossiya ist ein kleines Kaufhaus für russische Lebensmittel – eintauchen in eine ganz andere Einkaufswelt. Wenn wir die Bahngleise hinter uns gelassen haben, biegen wir links in die Mommsenstraße ein. Sie wurde nach dem Historiker Theodor Mommsen  benannt. Auch in dieser Straße kannst du wieder prächtige Fassaden und tolle alter Häuser betrachten – oder eins von 100 Bieren auf der Karte genießen im originalen Mommseneck (Achtung, es gibt eine Filiale dieses Hause am Potsdamer Platz). Wir folgen der Mommsenstraße und biegen bald rechts in die Leibnizstraße ein – Touristen kennen hier ein gutes Klo, aber du musst schon z.B. aus dem Nachttopf dein Bier trinken wollen, wenn du an dieser Erlebnisgastronomie Freude findest. Fans hat das Klo dafür viele und es gehört für viele fest zu einem Berlinbesuch dazu.

Wenn wir die Leibnizstraße weiterlaufen, folgt rechts der Walter-Benjamin-Platz: Lange Zeit als Fläche zum Eislaufen genutzt lag der modern bebaute Platz dann lange brach. In jüngerer Zeit mutiert er gerade abends zu einem kulturellen Treffpunkt mit Veranstaltungen wie im Sommer klassischen Konzerten unter dem Sternenhimmel. Wir folgen der Straße weiter, bis wir den Kurfürstendamm erreichen und dort links in den Boulevard einbiegen. Vorher solltest du ihn aber überqueren und auf der rechten Straßenseite weiterlaufen, denn bald gelangst du zum  Haus Cumberland. Hier empfehle ich den nächsten „Nasch-Stopp“ in einem Kaffeehaus, das noch an die alte Zeit, die goldenen 20er erinnert und zugleich mit seinem prächtigen Interieur beeindruckt: Das Kaffeehaus Grosz. Wenigstens auf einen Kaffee solltest du hier einkehren. Vom George-Grosz-Platz aus verlassen wir dann wieder den Kurfürstendamm und biegen in die Schlüterstraße ein. Bald kreuzen wir wieder die Mommsenstraße – hier habe ich einen Tipp für gutes Essen abends in der Hausnummer 9 das Marjellchen mit seiner ostpreußischen Küche. Wir laufen weiter gerade aus, bis wir die Kantstraße erreichen – gleich rechts gibt es den nächsten Angriff auf deine Hüften: den Kuchenladen mit den wohl besten Torten und süßer Lust Berlins.

Jetzt wird es richtig kulinarisch: Zum Ende unserer Tour erreichen wir den Savignyplatz. Er liegt direkt an den markanten S-Bahnbögen, die unter Anderem einen tollen Buchladen „Bücherbogen“ beherbergen. Die Kantstraße teilt den Patz, der schon zu alter Zeit als Hotspot für Künstler und Intellektuelle galt, ein gesellschaftlicher Schmelztiegel West-Berlins. Daran erinnert die traditionelle Kneipe, der Zwiebelfisch, in dem noch heute Journalisten und Literaten ein und ausgehen. Markant ist das kleine Häuschen mitten auf dem Platz, das wie ein Kiosk aussieht: Hier in der Hasenecke gibt es gute Berliner Currywurst. In der Grolmanstraße, einer Seitenstraße vom Savignyplatz gleich der nächste Nach-Angriff mit tollen Kalorien: Die Confiserie Mélanie und für ein herzhaftes Frühstück empfehle ich dir, wie der Name des Ladens schon sagt, eine gute Stulle.

Wie immer zum Emde meiner Touren aber auch zwei Restaurant-Empfehlungen am Savignyplatz: Das Traditionslokal Diener Tattersall, es trägt seinen Namen nach einem ehemaligen Box-Champ namens Diener und bietet dir kleine Berliner Küche. Die opulente Berliner Gastlichkeit bekommst du bei der Dicken Wirtin – eines meiner Stammlokale wegen des guten Essens und der erlesenen Brände zum Nachtisch – aber bitte unbedingt reservieren.

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