Es war die friedliche Revolution, die in den Kirchen in Ostdeutschland begann: Was zunächst als Kampf für Meinungsfreiheit und Reisefreiheit gedacht war, mündete vor 30 Jahren in die Deutsche Einheit. Von der großen Mehrheit mit Tränen, Pathos und Feuerwerk gefeiert – so war die Einheit für so manchen Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR nicht Ziel seines Protests: Viele wünschten sich schlicht eine andere, eine bessere Deutsche Demokratische Republik.

Um den Alltag der DDR besser zu verstehen, empfehle ich dir die gleichnamige Ausstellung in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg. Eindrucksvoll ist auch ein Besuch des früheren Ministeriums für Staatssicherheit der DDR – die Stasizentrale in Berlin-Lichtenberg. Das Stasimuseum (Haus 1) führt dich an den Dienstsitz von Erich Mielke, Minister für die Staatssicherheit – und ein Blick ins Stasiarchiv im Haus 7 bringt noch mehr verborgene Erkenntnisse ans Licht.

Am 9. November 1989 fiel die Mauer: damit war das Ende der Teilung Deutschlands eingeläutet, ein knappes Jahr später folgte die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. 30 Jahre ist der Fall der Mauer her – für viele Zeitzeugen ist der 9. November 1989 bis heute der für sie bewegendste Tag des 20. Jahrhunderts. Für mich war dieser Abend im November wohl der Auslöser meiner Berlin-Faszination: Deshalb möchte ich das Jubiläum 30 Jahre nach dem Fall der Mauer dafür nutzen, einige Tipps rund um dieses Jubiläum bereit zu stellen.

Das Video zeigt Highlights aus Interviews mit Zeitzeugen vom Fall der Mauer, die die DDR und die friedliche Revolution miterlebt haben. Sie kommen zu Wort und berichten, wie sie sich an den 9. November 1989 erinnern. Die Interviews habe ich zusammen mit meinen Kollegen in den vergangenen Jahren gesammelt, manche der Zeitzeugen sind schon gar nicht mehr am Leben. Ich bin mir aber sicher, dass wir ihre Erinnerungen und Erlebnisse nicht vergessen dürfen. Wenn dich die heutigen Spuren der Berliner Mauer genauer interessieren, empfehle ich dir auch meinen Artikel zur Tour entlang der Berliner Mauer.

Wenn du nicht nur auf historischen Spuren wandeln möchtest, sondern dich auch an einigen schönen kleinen Läden und einem Kaffee erfreust, dann empfehle ich dir meinen „Grenzgang“ zwischen Wedding und Prenzlauer Berg 😉

Einen virtuellen, aber sehr eindrucksvollen Blick über die Mauer und in die Zeit der Teilung Deutschlands liefert auch das Asisi-Panorama direkt am Checkpoint Charlie. Das 360-Grad-Panorama zeigt das alternative Leben in SO 36 in West-Berlin mit seinen Punks und  besetzten Häusern, das Leben direkt an beiden Seiten der Mauer. Ansonsten dient der Checkpoint Charlie heute nur noch als Treffpunkt für Touristen, authentisch ist hier nichts mehr. Etwas abseits lohnt aber ein Besuch des privat geführten Mauermuseums am Checkpoint Charlie.

Auf jeden Fall Pflicht ist ein Besuch der Gedenkstätte Bernauer Straße: Hier ist ein Teil der alten Grenzanlagen zwischen Ost und West erhalten – hier spürst du am ehesten, wie die unmenschliche Grenze ausgesehen hat. Die Bernauer Straße hat traurige Berühmtheit erlangt, als hier die Menschen aus den Fenstern sprangen, um kurz nach der Abriegelung des Ost-Sektors Berlins von den West-Sektoren in den Westen zu fliehen. Entlang des alten Kolonnenwegs, den die DDR-Grenzer patrouillierten, erlebst du heute Geschichten von Flucht und Leben entlang der Bernauer Straße. Die Fluchttunnel unter der Bernauer sind markiert, alte Fundamente zeigen die Keller der Gebäude auf der ehemaligen Ostseite und die Kapelle der Versöhnung zeigt, wie beide Teile der Stadt wieder zusammenwachsen sollen.

Das längste noch erhaltene Mauerstück findet sich übrigens in der Nähe des Ostbahnhofs: Hier lockt die East-Side-Gallery unzählige Besucher und Touristen an – das authentische Bild dieser grenze wurde durch Bebauung direkt an der Spree aber bereits zerstört.

Für viele ist der Fall der Mauer am 9. November 1989 ein Wendepunkt in der deutsch-deutschen Geschichte, auch wenn viele Bürgerrechtler das Wort „Wende“ gar nicht mögen, denn es stammt von Egon Krenz. Der frühere SED-Generalsekretär und Staatsratsvorsitzende der DDR nach Erich Honecker hatte den Begriff geprägt, um damit selbst eine Wende in der DDR einzuläuten und das Zepter des Handelns in der Hand zu behalten. Die vielen Hundertausende Bürger der friedlichen Revolution in der DDR wollten aber keine Wende und auch keine „Wendehälse“, sondern einen grundlegend anderen Staat mit Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Anerkennung der Parteien und Gruppen der Bürgerrechtler und einen Dialog auf Augenhöhe.

Die Mauer fiel „unverzüglich“

Viele erinnern sich noch heute, wenn sie an den 9. November denken, genau daran, was sie an jenem Abend gemacht haben. Die Nachricht vom Fall der Mauer veränderte die Welt binnen einer guten Stunde, nachdem Günter Schabowski auf einer lang dauernden Pressekonferenz ganz am Ende über das neue vorrübergehende Reisegesetz der DDR sagte, das Gesetz trete „unverzüglich“ in Kraft. Im Nu strömten Menschen an die Mauer und Grenzübergänge, Trabbi-Kolonnen machten sich die nächsten Tage auf nach Westdeutschland. Eine neue Zeit begann, für viele ist der 9. November damit zum schönsten Tag des 20. Jahrhunderts geworden.

Besonders empfehlen möchte ich dir noch für deinen Trip nach Berlin 30 Jahre nach dem Start in die Deutsche Einheit zwei Ausstellungen aus dem Haus der Geschichte: Der „Tränenpalast“ beherbergt die Ausstellung Grenzerfahrungen als ehemalige Kontrollstelle für Ost-West-Reisende. Wenn du das Leben in der DDR näher kennen lernen möchtest, dann solltest du die Ausstellung „Alltag der DDR“ in der Kulturbrauerei besuchen. Beide Ausstellungen sind kostenlos.

Seit mehr als 30 Jahren ist Deutschland wieder ein Land – aber wie erleben Nach-Wendekinder und junge Erwachsene die Deutsche Einheit? Was hat sich seitdem verändert? Die Doku-Reportage #ostblick spürt diesen Fragen nach: Zusammen mit Nachwuchsjournalisten haben wir einen Film gedreht: Die junge Reporterin Aniko begibt sich mit ihrem Kamerateam auf die Suche, etwa nach Stasiakten. Sie kommt ins Gespräch mit Zeitzeugen, sie lernt letztlich die Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern kennen und besser verstehen. Und: Sie stößt mit ihrem Team auf ein Ostbewusstsein, das zunehmend von Selbstbewusstsein geprägt ist. Denn nur ein freies Land kann die Herausforderungen der Zukunft lösen. 

Zu guter Letzt noch Eindrücke vom Jubiläum 30 Jahre Mauerfall rund um den 9. November 2019 in Berlin:

Berlin feierte eine Woche lang den Fall der Mauer vor 30 Jahren und die friedliche Revolution. Große Projektoren, Live-Shows und Ausstellungen – ein eindrucksvolles Programm mit zahlreichen historischen Impulsen. Einige Bilder:

Spannend gemacht auch die Ausstellung „Nineties Berlin„, die bis Ende 2019 in Berlin zu sehen war – Teile der Ausstellung sollen aber bald an anderem Ort zu sehen sein.

Die 90er-Jahre in Berlin – den Zeitgeist atmen und die Geschichte erspüren, das konntest du in dieser Sonderausstellung in der Alten Münze in Berlin. Die Ausstellung zeigt dir das Mauerfall- und Techno-Jahrzehnt mit Beats, Loveparade und Millionen Fans auf der Straße des 17. Juni. Eine große Video-Installation nimmt dich mit in die Zeit vor dem Fall der Mauer, ein Stück Original-Mauer macht die Zeit der Teilung im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.