Mit dieser Tour führe ich dich ins Grüne und ans Wasser – zwischen Havel und Sacrower See, zugleich an einen geschichtsträchtigen Ort zu DDR-Zeiten: Wir laufen von Kladow zur Heilandskirche Sacrow, besichtigen den Schlosspark von Sacrow und das alte Ritterdorf Sacrow. Diese Tour ist quasi der „Gegenschuss“ zu meinem Spaziergang von Schloss Glienicke nach Nikolskoe auf der gegenüberliegenden Seite der Havel.
Für diese Tour solltest du einen halben Tag einplanen – ein Vormittag eignet sich gut, weil du dann nachmittags im Biergarten von Kladow einkehren und dich erholen kannst.
Wir starten unsere Tour im Dorf Kladow direkt am Schiffsanleger der Wannseefähre F10. Du kannst ab der S-Bahnstation Wannsee (S1/S7) mit der Fähre anreisen oder den Bus X34 ab Messe nehmen, der Bus hält oben im Dorf direkt an der alten Kirche. Wenn du mit der Fähre kommst, lohnt sich der Weg hinauf zur alten Dorfkirche von Kladow, das kleine Ensemble mit Kirche ist sehenswert.


Wenn vor dem Anleger der Wannseefähre stehst, fällt dein Blick auf eine kleine grüne Insel im Wasser, das Imchen – nur von Vögeln bewohnt. Wir biegen nun rechts in die gleichnamige Imchenallee ein, die zugleich Berliner Mauerweg ist. Wir befinden uns nahe dem Grenzgebiet der früheren Berliner Mauer, mehr dazu später auf dieser Tour. Noch sind wir in Berlin, im ehemaligen West-Teil der Stadt. Wir folgen nun dem Mauerweg mit Blick auf die Havel links und kleine Häuser und Villen rechts, bis wir nach einem kleinen Aufstieg die Sakrower Landstraße erreichen.


Wir folgen der Sakrower Landstraße bis die Bebauung endet, wir erreichen einen Rastplatz an der Straße, umgeben von Wald. Hier biegt der Mauerweg zum Sacrower See ab, von dort werden wir später zurückkommen. Wir schlagen uns links in die Büsche auf einen kleinen Waldweg, der uns hinunter an die Havel führt. Malerisch geht es entlang des Wassers und er Landschaft der Fuchsberger mit tollen Blicken auf die andere Havel-Seite.


Auch Biber leisten hier ganze Arbeit, etliche Holzstümpfe zeugen davon. Wir passieren die Stupeecke und den Kleinen Hämphorn und gelangen zum Großen Hämphorn – Bild hinüber nach Nikolskoe solltest du vom Kleinen Hämphorn machen – später kommst du nicht mehr ans Wasser, weil die Bebauung wieder einsetzt.



Von hier aus folgst du nun der Straße “Am Hämphorn” bis du de Kladower Straße erreichst. Hier links abbiegen, bis wir in das Dorf Sacrow gelangen. Mittlerweile hast du Berlin verlassen und befindest dich in Potsdam in Brandenburg. Vom früheren Todesstreifen ist hier nichts mehr zu spüren, die frühere Grenze hast du etwa auf Höhe des oben genannten Rastplatzes passiert.

Das Dorf Sacrow hat so die wohl wechselvollste Geschichte eines Dorfes zu bieten. Die Mauer direkt am Dorfrand teilte Sacrow vom übrigen – westdeutschen Gebiet – ab, es entstand eine Insel umgeben von Wasser und Westen, eine Enklave der DDR, die nur mit besonderen Ausweisen und Dokumenten betreten werden durfte. Sacrow stammt aus dem 14. Jahrhundert und war ursprünglich ein Rittergut, das Herrenhaus auf dem Rittergut wurde später 1840 umgebaut, aus dem Herrenhaus wurde Schloss Sacrow. Aus der ARD-Serie „Wege zum Glück“ sollte einigen das Schloss bekannt sein, es diente als Kulisse.
Wir sind nun auf der Krampnitzer Straße, wir folgen ihr und durchqueren das ganze Dorf bis wir eine kleine Brücke erreichen, dort überqueren wir den unscheinbaren Schiffgraben. Er verbindet den Sacrower See mit der Sacrower Lanke an der Havel. Kaum sind wir drüber macht die Straße eine Rechtskurve und schon bald sehen wir linker Hand die Parkanlage des Sacrower Schlosses. Jetzt gehst du links in die Fährstraße, folgst dem Zaun mit Blick auf den Schlossteich und schon nach der nächsten Linkskurve nehmen wir hier den Eingang in den Schlosspark.



Im weitläufigen Schlosspark befindet sich die äußerst sehenswerte Heilandskirche Sacrow, die von der wechselvollen Geschichte des Dorfes sehr viel mitbekommen hat. Zu Zeiten der Teilung verlief die Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam so nahe, dass auch die Kirche mitten im Sperrgebiet stand und zum Lost Place verkümmerte. Heute finden in der Heilandskirche wieder Gottesdienste, Hochzeiten und Konzerte statt.
Heilig Abend im Jahr 1961 – kurz nach dem Bau der Berliner Mauer – fand in der Heilandskirche der letzte Gottesdienst statt. Die Kirche im Sperrgebiet sollte nun 28 Jahre lang nur noch den DDR-Grenzern zugänglich sein. Wenige Tage nach Heilig Abend wurde die Inneneinrichtung der Kirche nahezu zerstört und teilweise an andere Orte ausgelagert. Der Glockenturm wurde Wachturm.


Im Schlosspark am Ufer der Havel findest du die „Römische“ Bank – von hier und von der Heilandskirche aus hast du einen tollen Ausblick auf die andere Seite der Havel bis zur Glienicker Brücke.


Wir laufen nun zurück zum Ausgang des Schlossparks (gleicher Ausgang / Eingang, wie wir den Park betreten haben). Von hier aus geht es zurück ins Dorf bis zur Brücke über den Schiffgraben. Hier geht es nun links in den Weinmeisterweg entlang einer Gärtnerei, nicht zu verfehlen. Wir folgen der Straße bis sie uns in den Wald führt und wir das Ufer des Sacrower Sees erreichen. Der See ist ziemlich bewaldet und nur selten bietet sich ein Blick durch die Bäume aufs Wasser.



Dafür erleben wir tolle Eindrücke eines zauberhaften Waldes mit teils von Efeu bewachsenen Bäumen und Spuren der DDR-Grenze, die hier im Wald früher verlief. Wir folgen dem Uferweg des Sacrower Sees, nach etwa 10 bis 15 Minuten Fußweg schwenkt der Weg immer mehr nach Nordosten und führt uns direkt zum Berliner Mauerweg. Wenn du genau darauf achtest, erkennst du noch, wo hier einst der Todesstreifen verlief.



Hier geht es nochmal etwas bergauf – auf den Luisenberg. Jetzt sind es nur noch wenige Meter und du stehst auf dem Rastplatz, an dem wir vorhin zur Havel abgebogen sind. Du siehst wieder das Ortsschild von Berlin (Spandau) und von hier aus findest du gewiss den Weg zurück zum Fähranleger in Kladow – immer entlang des Berliner Mauerwegs.