Diese Tour bietet dir eine Mischung aus Natur und Wasser kombiniert mit urbanem Flair, wie du ihn fast nur in Berlin bekommen kannst. Wir wandern durch ausgedehnten Wald auf weichen Böden, genauso promenieren wir an Seen und entlang belebter Straßenkreuzungen. So lädt dich diese Vier-Seen-Tour durch Alt Hohenschönhausen und Weißensee ein, Berlin von einer ganz neuen Seite zu entdecken.

Für diese Tour solltest du einen guten halben Tag einplanen, ggf. kannst du dir für Pause oder Besichtigungen natürlich mehr Zeit einplanen.

Wir starten mit unserer Tour an der Oberseestraße in Lichtenberg – am besten fährst du mit der Tram M5 bis zur gleichnamigen Haltestelle und läufst wenige Meter zurück bis zur Einmündung der Oberseestraße in die Konrad-Wolf-Straße. Von hier aus lässt sich auch die Gedenkstätte Hohenschönhausen besuchen, das ehemalige Gefängnis der Staatssicherheit der DDR liefert bis heute beeindruckende Einblicke in das Regime der damaligen Zeit. Für den Besuch und eine Führung solltest du natürlich extra Zeit einplanen.

Der Brauerei-Standort Alt-Hohenschönhausen

Hier in At-Hohenschönhausen hatte früher die Berliner Löwenbrauerei ihren Sitz, sie eröffnete gegen Ende des 19. Jahrhunderts und braute hier fast hundert Jahre, sie beendete ihre Bierherstellung in den späten 1990er Jahren. Drei Gebäude sind noch heute erhalten, an der alten Mälzerei kommen wir auf unserer Tour vorbei. Die Brauerei-Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Damit deutet sich auch die Verbindung der Löwenbrauerei mit unserer Vier-Seen-Tour an, denn eine Brauerei braucht gutes Wasser, das gibt es hier natürlich reichlich.

Wir biegen in die Oberseestraße ein und sobald wir die erste Querstraße erreichen (Degnerstraße), können wir rechts den Blick auf die Alte Mälzerei der Löwenbrauerei werfen. Auf den ersten Blick allerdings kaum zu entdecken, du musst bei dem Neubau mit Wohnungen rechts den Gang in den Innenhof nehmen, um die Mälzerei zu sehen.

Wir folgen der Oberseestraße weiter – links erreichen wir die Käthestraße, in die wir nachher einbiegen müssen, um zu unserem ersten See zu gelangen. Wir laufen zunächst aber noch etwas weiter bis wir auf der linken Seite das unscheinbare Mies van der Rohe Haus erreichen, ein kleiner rötlicher Bungalow. Im Jahr 1932 hat einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts, Ludwig Mies van der Rohe das Landhaus für die Familie Lemke geplant, es steht direkt im schmucken Villenviertel am Obersee und sieht doch anders aus, als die Häuser drumherum. Das Haus beeindruckt durch seine großen modernen Fensterfronten Richtung Garten. Du kannst das Mies van der Rohe Haus kostenlos besuchen, drinnen gibt es wechselnde Kunstausstellungen.

See 1: Der Obersee

Es geht zurück zur Käthestraße, in die wir einbiegen, um zu unserem ersten See, den Obersee zu gelangen. Schon vom Garten des Ludwig Mies van der Rohe-Hauses hast du einen tollen Blick auf den See, das Törchen zum See ist aber in aller Regel leider verschlossen. Von der Käthestraße führt ein Weg ins Grüne zum südlichen Ufer des Sees, die Grünanlage liegt an einem Hang, wir folgen dem Weg am Wasser entlang, um den wundervollen Blick auf den See zu genießen. Links erhebt sich bald der Wasserturm am Obersee. Ihm solltest du unbedingt einen Besuch abstatten, das kleine gemütliche Café im Turm oder der Biergarten drumherum laden zu einer Pause ein. Der Wasserturm stammt aus den Jahren 1901/1902, er stellte damals die Wasserversorgung in der angrenzenden Siedlung sicher – Dank der nahegelegenen Brauerei war der Bedarf an frischem Wasser groß.

See 2: Der Orankesee

Wir folgen dem Ufer des Obersees weiter, bis wir wieder die Oberseestraße erreichen. Kurz die Straße überqueren und schon stehst du am Ufer des Orankesees. Rechts ist das große historische Strandbad mit Riesenrutsche, Sandstrand und angeblich legendären Pommes, das Strandbad wurde 1929 errichtet. Der Sand für den Orankestrand ist extra aus Heringsdorf an der Ostsee angeliefert worden. Wir folgen nun links dem Uferweg des Orankesees unter Bäumen ständig mit Blick aufs Wasser.

Wer eine Pause einlegen möchte, kann die Orankesee-Terassen links von uns besuchen und von oben aus dem Biergarten aufs Wasser blicken. Wir folgen dem Uferweg bis zur Gertrudstraße – wir biegen nicht ein, sondern laufen geradeaus weiter in den Weg Orankestrand. Er führt uns nun weg vom Orankesee zu unserem nächsten See der Tour.

See 3: Naturschutzgebiet Fauler See

Wir erreichen nun die stark befahrene Buschallee, wir überqueren die Straße etwa auf der Höhe der Tram-Haltestelle Orankestrand. Nun halten wir uns rechts, um nach wenigen Metern zum Haupteingang in das Naturschutzgebiet Fauler See zu gelangen. Achtung: Rechts gibt es ein kleines Törchen (meist steht es offen), wir gehen hinein und plötzlich eröffnet sich eine wunderschöne Waldlandschaft, ganz ruhig und leise wird es auf einmal. Hier stoßen wir rasch auf den Rundweg um den See – die Richtung, die du einschlagen möchtest liegt ganz bei dir, am Ende kommst du nach deinem Rundweg hier wieder an. Rechtsherum gelangst du etwas schneller zu einer Aussichtsplattform auf den See – denn sonst wirst du hier vom Wasser nicht viel zu sehen bekommen. Das Ufer ist abgeschirmt, damit sich die Natur entfalten kann.

Mittlerweile verlandet der Faule See immer weiter, es hat sich über die Zeit eine große Faulschlammschicht gebildet. Teilweise ist der See noch etwa drei Meter tief, der Wasserstand schwankt stark. Nahe der Faulschlamm- und Torfschicht ist der See oft nur noch ein Meter tief.

Nach unserer Seeumrundung halten wir uns Richtung Stadion Buschallee, meist ist der Trainingsbetrieb so laut, dass du das Stadion und seine Sportanlagen gar nicht verfehlen kannst. Wir laufen am Stadion vorbei und erreichen die Hansastraße. Die Fans von Lost Places werden diesen Ort kennen, links in den Bäumen versteckt sich die Ruine des Kinderkrankenhauses Weißensee – früher ein beliebter Spot für Lost-Placer, nach mehreren Bränden im Inneren heute eine videobewachte Ruine.

Nun wird es sehr urban: Wir überqueren die Hansastraße und schlängeln uns durch die vor uns liegenden Hochhäuser mit ihren Parkplätzen über die Falkenberger Straße hinweg bis zur Bernkasteler Straße. Dabei durchschreiten wir auch den verwilderten alten Friedhof von Weißensee.

Die Bernkasteler Straße laufen wir Richtung Westen: Wenn du in die Trierer Straße links abbiegst, kannst du der Bruno-Taut-Siedlung einen Besuch abstatten, sehenswert! Der Architekt Bruno Taut hat die Siedlung Mitte der 1920er Jahre entworfen, die Gebäude sind schlicht, Taut ließ nur wenig Schmuck zu, dafür komponierte er eine wahre Farbenpracht auf die Wände: blau, rostrot und cremeweiß. 

Ich empfehle dir bei dieser Gelegenheit auch meinen Spaziergang durch Weißensee hier im Blog: Sehr sehenswert ist der Jüdische Friedhof Weißensee, denn du auf diesem Spaziergang auch besuchen wirst.

See 4: Weißer See

Von der Trierer Straße / Falkenberger Straße gelangen wir zur Berliner Allee: 4-spurig, stark befahren, irgendwie müssen wir rüber. Auf der anderen Seite fällt der Blick auf ein fast verfallenes Haus: Das Bertolt-Brecht-Haus. Hier lebte der Schriftsteller mit seiner Frau nach der Rückkehr aus seinem Exil, bevor er in sein neues Domizil in der Chausseestraße zog. Dort in Mitte ist heute auch die Gedenkstätte im Brecht-Haus untergebracht.

Sobald wir die Berliner Alle überquert haben, erreichen wir das Ziel unserer Tour – wir sind Am Weißen See. Rechts fällt der Blick auf das bekannte Strandbad Weißensee, wir folgen dem Uferweg links und umrunden den See im Uhrzeigersinn. Ich empfehle einen Besuch beim Milchhäuschen auf der gegenüberliegenden Uferseite, die Traditionsgastronomie mit seiner See-Terrasse bietet dir heute griechische Küche (Ormos by Milchhäuschen). Wenn du den See umrundet hast, nimmst du am besten die Tram M4 ab Haltestelle Weißer See. Die Linie führt dich wieder direkt zurück zum Beispiel zum Alexanderplatz.