Auf dieser Tour lernst du einen der nördlichen Stadtteile Berlins kennen, der sich direkt an den Prenzlauer Berg anschließt: Pankow. Die Tour zeigt dir wichtige Straßen des Stadtteils, seine wunderschönen Parks, wir blicken auf unserer Tour durch Berlin-Pankow aber auch zurück in die Geschichte der DDR. In Pankow war die politische Elite der DDR zu Hause.

Für diese Tour benötigst du einen halben Tag – sie führt dich sowohl durch Wohn- und Einkaufsstraßen, aber auch ins Grüne und in Pankows Parklandschaften.

Wir starten am S- und U-Bahnhof-Pankow, den du neben S-Bahn und U-Bahn auch mit der Tram M1 aus dem Prenzlauer Berg kommend erreichen kannst.

Sobald wir den Bahnhof verlassen, gelangen wir auf die Florastraße. Hier empfangen uns alte Bürgerhäuser, die dem Kiez ein besonderes Flair verleihen. Zu DDR-Zeiten war der Wohnraum gut belegt, in vielen Häusern wohnten die Menschen auch im Erdgeschoss – heute entstehen hier Läden und kreative StartUps, die Pankow zunehmend einen Hauch von Prenzlauer Berg verleihen. Viele zieht es hier in den Norden der Stadt, weil die Mietpreise innerhalb des S-Bahn-Rings boomen und Pankow zudem mit grünen Oasen und etwas mehr Ruhe lockt, als es der touristische Szenekiez wenige Straßen weiter südlich bieten kann.

Wir biegen also in die Florastraße ein und folgen ihr in westlicher Richtung – vorbei an kleinen Läden und Bürgerhäusern mit oftmals wieder blank geputzten Fassaden. Früher muss es hier ruhiger gewesen sein, heute reihen sich kreative Blumenläden, Second-Hand-Läden, mal eine regionale Metzgerei und Geschäfte rund um Kindersachen und Kinderbücher aneinander – nur das Pflaster ist vielerorts noch richtig original und entsprechend ungeeignet für unbequemes Schuhwerk. Ich empfehle einen kleinen Abstecher links in die Heynstraße – eine Wohnstraße mit weiteren schönen Fassaden, die mich fast an den Bergmannkiez erinnern. Ihren Namen hat die Heynstraße vom früheren Fabrikanten Fritz Heyn, in seiner damaligen Wohnung in der Heynstraße 8 findet sich heute ein Museum, das das bürgerliche Leben um 1900 zeigt. Der Fabrikant ließ das Haus 1893 errichten.

Wir folgen weiter der Florastraße und stoßen bald auf ein besonderes Straßenkunstwerk: Der Pocketpark. In der Florastraße 87 stand mal ein kleines Häuschen, daran erinnert nun heute dieses Kunstwerk. Du kannst dich dort nun einfach ins Bett legen oder auf steinernen Sesseln Platz nehmen – okay, nicht so bequem aber zugegebenermaßen originell. Schach spielen kannst du dabei auch, die Figuren aber bitte mitbringen. Alles das ist in diesem Kunstwerk möglich.

Wir biegen nun rechts von Florastraße in die Görschstraße ein, hier erwartet uns nun ein besonders prachtvolles Gebäude: Die Carl-von-Ossietzky-Schule, ein alt ehrwürdiges Gymnasium. So ein bisschen erinnert mich das Haus ans fliegende Klassenzimmer oder für die jüngere Generation an Hogwarts, die Schule für Zauberei bei Harry Potter. Im Gymnasium habe ich Kai Feller getroffen und mit ihm und meinem Team einen Film gedreht und über die Schule zu DDR-Zeiten berichtet. Kai Feller musste damals wegen seiner Regimekritik die Schule verlassen.

Kaum an der Schule vorbei, biegen wir rechts in die Wollankstraße ein und gelangen zu einer ganz besonderen Bäckerei: das Museum Bäckerei Pankow. Hier bekommst du Brot wie, es schon im Jahr 1875 gebacken wurde. Die Bäckerei knüpft an einer alten Tradition an, denn der fast 150 Jahre alte Backofen ist genauso wie die alte Bäckerei noch original erhalten. An mehreren Tagen in der Woche wird hier gebacken und du kannst, wenn du schnell genug bist, eines der Brote erwerben. Das kleine Häuschen erinnert zugleich an die damalige dörfliche Struktur Pankows.

Hinter der Bäckerei biegen wir nun in die Wilhelm-Kuhr-Straße ein und ein beeindruckendes Tor empfängt uns. Dahinter wird es grün und deutlich ruhiger, wir betreten den Bürgerpark – einer der wohl schönsten Parks in Berlin.
Hinter dem Springbrunnen gelangen wir links zu einer hügeligen Bergkulisse, hier sind etliche Ziegen zu Hause, die klettern oder einfach nur chillen können. Eine besondere Attraktion des Parks ist der Rosengarten, der mit seinem Musikpavillon auch zu Veranstaltungen einlädt. Im angrenzenden Biergarten kannst du Kleinigkeiten zu essen bekommen oder einfach nur mit einem Café oder einem Glas Bier eine Pause einlegen.

Wir verlassen den Bürgerpark nun in nördlicher Richtung und folgen der Panke, dem Flüsschen, das dem Stadtteil Pankow mal seinen Namen gegeben hat. An der nächsten Kreuzung müssen wir allerdings in die stark befahrene Grabeallee einbiegen und ihr kurz folgen, bis es rechts in den Majakowskiring geht. Wir begeben uns hier auf eine historische Reise zu den politischen Mächten der DDR, denn hier im Im Majakowskiring waren einige Jahre die Spitzenpolitiker der DDR zu Hause. Nach 1945 erklärte die sowjetische Besatzungsmacht das gesamte Areal zum Sperrgebiet, die Politikprominenz zog in die Villen ein, von denen die meisten heute noch erhalten sind. Bei Wikipedia findest du genau aufgelistet, welcher Politiker in welchem Haus gewohnt hat – in meinem Blogeintrag bekommst du einige Fotos wichtiger Häuser aus dem Jahr 2022. In der Hausnummer 2 befand sich das Gästehaus der DDR-Regierung – entsprechend oft war hier auch ausländische Politprominenz zu Gast.

Majakowskiring 2: Gästehaus der DDR-Regierung

Direkt gegenüber führt eine kleine Straße zum Schlosspark Pankow – auch hier lohnt ein Besuch der grünen Idylle direkt an der Panke. Aber Achtung: Das Schloss Schönhausen ist mit einer Mauer umschlossen und vom Park aus nicht zu erreichen. Trotzdem empfehle ich dir den Abstecher in den Park sehr. Zum Haupteingang des Schlosses gelangst du dann, wenn du vom Majakowskiring in die Stille Straße einbiegst und dann wieder rechts in die Tschaikowskystraße. Das war im 18. Jahrhundert die Sommerresidenz der preußischen Königin Elisabeth Christine, der Gemahlin Friedrichs des Großen. Im Nationalsozialismus lagerten hier mehrere tausend Kunstwerke so genannter „Entarteter Kunst“ und zur DDR-Zeit residierte im Schloss der erste und einzige Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, viel Prominenz war hier in dieser Zeit zu Gast, wie Leonid Iljitsch Breshnew, Fidel Castro und Michail Gorbatschow.

In der Tschaikowskystraße befindet sich übrigens auch eine etwas andere Sehenswürdigkeit: die ehemalige irakische Botschaft in der DDR. Seit dem Fall der Mauer verfällt der Ort aber und schlummert die meiste Zeit als lost place. Vom Schloss Schönhausen hast du zu diesem Abstecher aber noch ein gutes Stück zu laufen.

Wir folgen stattdessen der Dietzgenstraße Richtung Norden, bis wir zur Tramhaltestelle Kuckhoffstraße gelangen – dort biegen wir rechts in einen kleinen Weg ein und treffen auf eine weitere Parkanlage, den Brösepark. Pankow hat wirklich viel Grün zu bieten, aber es kommt noch besser. Sobald wir den kleinen Park durchquert haben, verlassen wir ihn an seinem nördlichen Ende auf die Beuthstraße.

Leckerli für 4-Beiner und 2-Beiner

Für alle Fellfreunde und Hundeliebhaber empfehle ich dir hier ein besonderes Café: ein echtes Hundecafé. Schon mit der Karte bekommst du hier die Leckerli für die 4-Beiner, die dich sofort freudig begrüßen und bestürmen werden. Wenn du dich bei ihnen beliebt gemacht hast, kannst du deinen Kaffee, einen guten Kuchen oder ein hervorragendes Eis bestellen – so kommen eben auch die 2-Beiner zu ihre Leckerli. Du solltest unbedingt vorher reservieren!

Danach laufen wir zurück zur Tramhaltestelle Kuckhoffstraße und nehmen die M1 zurück in die Berliner Mitte.
Eine gute Restaurant-Empfehlung soll aber auch bei dieser Tour nicht fehlen – eine hervorragende italienische Küche bietet dir Momenti di Vini in der Florastraße 15. Sobald du den S-Bahnhof Pankow mit der Tram erreicht hast, hier aussteigen und die Flora nochmal ein paar Schritte hineinlaufen.