Mitten im Schlosspark von Schloss Sacrow in Potsdam steht die die wunderschöne Heilandskirche Sacrow direkt am Ufer der Havel an der Sacrower Lanke. Die Kirche wurde 1844 gebaut, besonder auffällig ist der freistehende Glockenturm. Er wurde nach Zeichnungen von Friedrich Wilhelm IV. durch den Baumeister Persius entworfen. Seit 1990 sind die Heilandskirche und das Schloss UNESCO Weltkulturerbe. Zu Zeiten der Teilung verlief die Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam hier so nahe, dass die Kirche mitten im Sperrgebiet stand. Heute finden in ihr wieder Gottesdienste, Hochzeiten und Konzerte statt.

Heilig Abend im Jahr 1961 – kurz nach dem Bau der Berliner Mauer – fand in der Heilandskirche der letzte Gottesdienst statt. Die Kirche im Sperrgebiet sollte nun 28 Jahre lang nur noch den DDR-Grenzern zugänglich sein. Wenige Tage nach Heilig Abend wurde die Inneneinrichtung der Kirche nahezu zerstört und teilweise an andere Orte ausgelagert. Der Glockenturm wurde Wachturm. Lediglich das Apsisgemälde blieb erhalten. Die Kirche verkam zum Lost Place, sie wurde aber nicht wie anderen Kirchen im Sperrgebiet an der Mauer abgerissen. Stattdessen wurde die Heilandskirche zum ersten Mahnmal für die deutsch-deutsche Denkmalsicherung mitten im Grenzgebiet – und das obwohl sich viele Fluchtgeschichten um diesen Ort ranken.

Der Westen war nur wenige hundert Meter auf der anderen Uferseite der Havel entfernt, die Grenze verlief mitten durch den Fluss. Viele nutzen die Lage der Kirche für eine dramatische Flucht in den Westen. Die Wasserwege am Jungfernsee waren deshalb streng bewacht, von Booten aus leuchteten die Grenzer das Wasser mit Scheinwerfern ab, um Fluchtversuche zu unterbinden. Nach dem Fall der Mauer wurde die Kirche wieder Ort des Gebetes, der historische Innenraum konnte rekonstruiert werden.

Die Außenwände der Heilandskirche zeugen von ihrer wechselvollen Geschichte: In den Tonfliesen des Arkadengangs sind tausende kleine, in den Ton geritzte Inschriften zu finden. Schon die ersten Ausflügler im 19. Jahrhundert kritzelten ihre Namen in die Tonfliesen, später verewigten sich die Grenzer der DDR hier an den Wänden, auch Menschen, die aus der DDR zu fließen versuchten, verewigten sich zuvor an der Außenwand. Auch heute finden sich wieder Namen von Leuten, die die Kirche besucht oder sich ewige Liebe geschworen haben.