Stille Idylle in der Großstadt? Das geht, auch wenn das Ziel dieses Ausflugs erstmal etwas untypisch erscheint: Ich empfehle dir einen Besuch der Bergmannfriedhöfe. Du erreichst sie am besten vom Südstern aus, denn es gibt mehrere Eingänge, die lange Mauer umschließt insgesamt vier Friedhöfe zwischen Bergmann-, Züllichauer- und Jüterboger Straße. Vom hinteren Columbiadamm gibt es keinen Eingang. Im Prinzip sind die Friedhöfe zusammengewachsen und du kannst lässig zwischen alten Bäumen, hohen Mauern und teils längst vergessen Gräbern schlendern. Der wohl bekannteste Gast dieses Friedhofs ist Gustav Stresemann.

Gustav Ernst Stresemann war Politiker und Staatsmann der Weimarer Republik, der 1923 Reichskanzler und danach bis zu seinem Tod Reichsminister des Auswärtigen war. Er liegt auf dem Friedhof bestattet, ganz schlicht ohne seinen Vornamen. Auf dem Grab steht einfach Stresemann. Stresemann liegt ganz am Ende im westlichen Teil des Friedhofs.

Sobald du die weiten Tore durchschritten und den Friedhof betreten hast, geht es leicht bergan – der Friedhof war mal ein Weinberg. Rechts und links stehen Linden – darunter prächtige Wandgräber mit Säulen und Mosaiken. Ganz oben angekommen erreichst du den besonders ruhigen aufgegebenen Teil des Geländes.

So manches Grab mutet an wie ein verlassener Ort, ein Lostplace, spannende Grabstätten lassen sich entdecken, umrankt von Efeu, die Natur holt sich die längst vergessenen Gräber zurück.

Am Ende deiner idyllischen Tour empfehle ich dir einen Besuch von Café Strauss, ein Café in schönen Räumen – kaum zu glauben, früher warteten hier die Toten auf ihr Begräbnis. Heute sitzt du entspannt bei Kaffee und Kuchen und genießt die Ruhe.

Bergmannstraße 39-41, 10961 Berlin

https://bergmannfriedhoefe.de/

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